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Autor: David Decker
(Initiator dieser Website)
Web-Site: http://www.shinemedia.de/sixpence/
Sixpence
None The Richer
"divine discontent"
Der
Titel des vierten regulären Sixpence None The Richer-Albums heißt
auf deutsch übersetzt soviel wie 'himmlische' oder 'göttliche
Unzufriedenheit'. Irgendwie paßt das auch zu den Umständen
um diese Band in den letzten drei Jahren: Alles war dabei von himmelhoch
jauchzend bis zu Tode betrübt. Manche Fans sprachen von himmelschreiender
Ungerechtigkeit ob der Auflösung des Squint-Labels und des langen
Wartens auf die neue CD. Da machte sich nicht nur einmal mal 'himmliche
Unzufriedenheit' breit. Durchaus berechtigt. Diese vielen Ankündigungen,
Vertröstungen, neuen Gerüchte, kleinen Skandale und Spekulationen.

Manche der Lieder sind schon über drei Jahre alt. Eigentlich könnte
dieses Album doppelt so viele Lieder haben. Aus bisher unbekannten Gründen,
schafften es nur dreizehn auf die CD. Vielleicht wegen der Qualität?!?
Vielleicht gibt es später ja eine Raritäten-Platte. Einfach
mal abwarten (das, was die echten Fans seit ca. vier Jahren tun) ...
Manches an dieser neuen Geschichte ist noch trauriger (weil herzzerreißender)
als bei der Vorangegangenen aus den Jahren 1996/97. Diesmal dauerte
das Warten sogar noch länger! Gehören Plattenlabels nun in
die Hölle? Vielleicht. So genau weiß man das aber noch nicht...
Erwähnenswert bei diesem kleinem Rückblick ist ebenfalls,
daß der langjährige Schlagzeuger der Band, Dale Baker, die
Band Anfang 2001 verließ (und zwischenzeitlich viele Konzerte
mit Over The Rhine spielte). Personelle Neuzugänge sind am Schlagzeug
Rob Mitchell (aus der CCM-Alternative-Szene) sowie Multiinstrumentalist
Jerry Dale McFadden am Piano bzw. Keyboard.

Auf jeden Fall sind alle dreizehn Stücke erste Sahne - vom ersten
bis zum letzten Ton begeisternd, herausfordernd und natürlich unterhaltsam:
Melodien, die große Gefühle ausdrücken und zum Mitsingen
einladen. Aber es gibt auch Klänge, wo man einfach mal abschalten
kann und die Seele baumeln darf... Die Produzenten Paul Fox, Matt Slocum
von der Band und Rob Cavallo (nur bei # 4) haben ganze Arbeit geleistet
und die Charakteristika des SNTR-Sounds perfekt eingefangen. Wie auf
den Vorgängeralben begeistert auch hier die handwerkliche Qualität
der Instrumentalisten - es ist immer wieder interessant, was man da
alles so hören kann (Violinen, Cello, usw.).

Natürlich ist die erste Radio-Auskopplunge "breathe your name"
der perfekte Einsteiger für diesen Silberling! "Melody of
you" (# 7) ist ein moderner Psalm geworden mit poetischen Versen
und einer wunderschönen Melodie. Jason Wade von der Band Lifehouse
hat das Lied "waiting on the sun" (# 5) mitgeschrieben, ein
Sommer-gute-Laune-Song, der die würdige Nachfolge von "kiss
me" antreten könnte (und sollte!). "Dizzy" (# 11)
ist ein Song mit enormen Bibel-Bezug und lebt von musikalischer und
inhaltlicher Dramatik. König David, der zweifelnde Thomas und der
Apostel Petrus werden als nachahmenswerte Vorbilder für Christen
dargestellt. Von ihrer bisher rockigsten Seite zeigt sich die Band in
"paralyzed" (# 8) ein dramatischer Gedankeneinwurf zum vergangenen
Kosovo-Krieg 1999. Es ist für einen Menschen kaum auszudrücken,
wenn Angehörige sterben. Nicht unerwähnt bleiben soll ein
erneutes Cover, dieses Mal von Crowded House und zwar "don't dream
it's over" (# 4). Während das Original durch das Radio ziemlich
abgedroschen wurde, bringt Leigh mit ihrer prägnanten Stimme neues
Leben in dieses Lied. Mir persönlich gefällt es jedoch von
allen Titeln am wenigsten. Eine besondere Würdigung verdienen die
beiden abschließenden Tracks "tension is a passing note"
(# 12) und "a million parachutes" (# 13), die auf wunderbare
Weise eine geniale Platte beschließen: balladig mit impulsiven
Streicherarrangements, träumerisch, aber dennoch nicht depressiv.

Trotz allen Lobes muß auf ein Manko der CD hingewiesen werden,
die fehlenden Liedtexte. Da hat sich das neue Label der Gruppe, Reprise
Records (Warner Bros.), einen starken Schnitzer geleistet! Durch Bemühungen
von vielen Fans in Amerika wurden sie dann wenigstens im Internet zugänglich
gemacht und können nun auch exklusiv auf dieser Site in überarbeiteten
Versionen als englische Original-Texte und komplette deutsche Übersetzungen
heruntergeladen werden. Inhaltlich greift Sixpence None The Richer vorwiegend
die zwischenmenschlichen Beziehungen auf, verarbeitet aber auch persönliche
Erlebnisse von Bandmitgliedern oder Entwicklungen in der Gesellschaft.
Wieder sind die Verse sehr poetisch und auf sprachlich hohem Niveau.
Perspektiven aus dem Hintergrund des christlichen Glaubens der Bandleute
sind vorhanden, jedoch nur bei einigen Songs.

Fazit: Mit diesem Album bin ich mehr als zufrieden! Diese zeitlose Musik
wird mich wieder jahrelang begleiten, da bin ich mir sicher. Von dieser
Sorte Musik gibt es eben nur wenig auf der Welt. Da ist es schön,
daß wenigstens hin und wieder mal ein neuer Happen auf den Markt
kommt... ;-)
—David Decker, August & September
2002 & März 2003
Daten: 13 Titel / 55 Min.
Label(s): 2002 Squint Entertainment/Word Records, USA / Reprise Records;
Warner
Music, USA / bv-music, Haan; 'Plattenläden'; online
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